Wenn du zum ersten Mal rustikales Parkett oder eine rustikale Landhausdiele betrachtest, bleibst du an denselben Stellen hängen. Da ist ein Ast, der deutlich dunkler ist als das umliegende Holz. Ein feiner Riss, der sorgfältig verschlossen wurde. Eine markante Maserung, die quer über die Diele verläuft. Manche Oberflächen zeigen Hobelspuren oder kleine Vertiefungen, die sich mit der Hand ertasten lassen.
Vielleicht denkst du erst mal an Unregelmäßigkeiten jedoch ist das genau genau das der Grund, warum sie sich viele unserer Kundinnen und Kunden für Echtholz entscheiden.

In unserer Ausstellung erleben wir regelmäßig, dass Besucherinnen und Besucher zunächst nach einem bestimmten Farbton suchen jedoch rückt im Gespräch dann eine weitere Frage in den Mittelpunkt:
Soll der Boden möglichst ruhig wirken oder darf er Charakter zeigen?
Diese Entscheidung beeinflusst den späteren Eindruck deines Raumes oft stärker als du vielleicht vermuten würdest. Denn zwei Parkettböden aus derselben Holzart können sehr unterschiedlich aussehen. Der Grund dafür liegt in zwei Eigenschaften, die häufig verwechselt werden: der Sortierung des Holzes und der Oberflächenveredelung. Beide bestimmen den Charakter des Bodens. Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Dinge.
Oft wird beim Parkettkauf zuerst auf die Holzart geachtet, wie zum Beispiel Eiche, weil sie langlebig ist, gut zu vielen Einrichtungsstilen passt und sich für viele Wohnbereiche eignet. Doch Eiche ist nicht gleich Eiche.
Im Werk des Herstellers wird das Rohmaterial „sortiert“. Die Sortierung beschreibt das natürliche Erscheinungsbild des Holzes. Dazu gehören unter anderem Aststellen, Farbunterschiede, Splintholz oder die Maserung, also alle natürlichen, durch den Wuchs bedingten Merkmale. Tendenziell sind Böden mit weniger oder dezenteren Merkmalen „ruhiger“ und Böden mit mehr, größeren und lebendigeren natürlichen Merkmalen eher „rustikaler“.

Die europäische Norm DIN EN 13489 legt die Anforderungen an Mehrschichtparkett fest. Sie schreibt jedoch keine festen Sortierungsbezeichnungen wie „Select“, „Natur“ oder „Rustikal“ vor. Diese unterscheiden sich je nach Hersteller. Deshalb lohnt sich ein Blick in die jeweilige Sortierungsbeschreibung und auf möglichst große Musterflächen.
Die Oberflächenveredelung entsteht erst nach der Auswahl des Holzes. Durch reaktives Färben, Bürsten, Hobeln, Räuchern oder andere Bearbeitungsschritte erhält jede Diele ihre eigene Haptik und Optik.
Jeder Baum wächst anders
Kein Eichenbaum gleicht dem anderen. Alter, Standort, Klima und Wachstumsbedingungen beeinflussen die Struktur des Holzes über Jahrzehnte. Das zeigt sich später in jeder einzelnen Diele. Mal verläuft die Maserung ruhig und gleichmäßig. Mal zeichnet sie kräftige Linien. Manche Dielen enthalten kleine Aststellen, andere mehrere große Äste. Auch Farbunterschiede gehören zum natürlichen Erscheinungsbild von Holz. Diese Merkmale entstehen beim Wachstum des Baumes und werden nicht künstlich erzeugt.
Was bedeuten die einzelnen Merkmale?

Viele Begriffe tauchen in Produktbeschreibungen auf. Wenn du sie kennst, kannst du Parkett deutlich besser vergleichen.
Aststellen: Äste entstehen dort, wo früher Seitenzweige aus dem Stamm gewachsen sind. Je nach Sortierung bleiben sie sichtbar und verleihen dem Boden eine lebendige Optik.
Splintholz: Splintholz liegt direkt unter der Rinde eines Baumes. Es ist meist heller als das Kernholz und kann je nach Sortierung bewusst sichtbar bleiben. Gerade bei rustikalen Böden gehört dieser Farbkontrast zum gewünschten Erscheinungsbild.
Natürliche Farbunterschiede: Holz verändert seine Farbe innerhalb eines Stammes. Deshalb unterscheiden sich einzelne Dielen oft leicht voneinander. Diese Unterschiede sorgen dafür, dass eine Fläche nicht gleichförmig wirkt.
Risse und Verkittungen: Kleinere Trocknungsrisse gehören zu den natürlichen Eigenschaften von Holz. Bei vielen Parkettböden füllen Hersteller diese Risse fachgerecht mit einem geeigneten Material. Die Stabilität des Bodens bleibt dadurch erhalten, während der natürliche Charakter sichtbar bleibt. Wir bezeichnen sie auch als „Cracks“.
Rustikales Parkett bedeutet nicht geringere Qualität
Eine rustikale Sortierung sagt nichts über die technische Qualität eines Parkettbodens aus. Sie beschreibt ausschließlich sein Erscheinungsbild.
Ob ein Boden ruhig oder lebhaft sortiert ist, hat keinen Einfluss darauf, wie dick seine Nutzschicht ist, wie hochwertig der Aufbau ausfällt oder wie oft sich der Boden später renovieren lässt. Deshalb gibt es hochwertige Böden ebenso in einer rustikalen Sortierung wie in einer sehr ruhigen.
Unsere Landhausdiele Eiche Value oder die Lifestyle-Böden von Woodline Parquetry zeigen das gut. Sie verbinden eine rustikale Sortierung mit einer 6 mm starken Nutzschicht und einem 22 mm starken Gesamtaufbau. Die natürliche Optik und die technische Ausstattung sind zwei verschiedene Eigenschaften.

Warum eine große Musterfläche wichtig ist
Wer nur ein kleines Musterstück betrachtet, sieht den Farbton aber nicht die natürlichen Merkmale des Holzes. Ein einzelnes Musterstück zeigt meist nur einen kleinen Ausschnitt des Holzes. Erst eine größere Fläche zeigt, wie Astbilder, Maserungen und Oberflächenbearbeitung später im Raum zusammenwirken.
Deshalb empfehlen wir dir, Parkett möglichst als große Musterfläche. So lässt sich die Wirkung eines Bodens deutlich besser beurteilen als anhand einer einzelnen Diele oder eines Produktfotos.
Große Musterflächen kannst du dir in unserer großen Ausstellung in Köln Poll anschauen. Besuche uns und wir klären all deine Fragen zu deinem Traumboden.